Matomo - Web Analytics

zum Inhalt

31.07.2007

Neues Konzept - Pikler im "Knirpsenland"

(Bln.-Adlershof) Das Besondere in diesem Jahr ist aber der seit geraumer Zeit vorbereitete Wechsel der Arbeitsweise. Dafür haben die Erzieherinnen in den letzten Tagen und Wochen die Räume farbenfroh renoviert und die Teams neu justiert. Ab sofort fließen die pädagogischen Errungenschaften von Emmi Pikler und Elfriede Hengstenberg sowie die von Maria Montessori in die Arbeitsweise der Kita-Profis ein – und das kommt allen zugute. Ein Interview zum „Jahreswechsel“ mit Kita-Leiterin Verena Dams und DASI-Geschäftsführerin Marianne Bartzok.

[DASI.blog]
Morgen, am 1.8.07, beginnt das neue Kita-Jahr im Knirpsenland. Das bedeutet Veränderung. Was bringt das neue Jahr?

[Verena Dams]
Wie immer beginnt das neue Kita-Jahr im Sommermonat August. Dieses Mal freuen wir uns richtig über die vielen Veränderungen. Über eineinhalb Jahre haben wir mit dem Pikler-Institut zusammen gearbeitet, unser Team weiterentwickelt und alle Räume neu gestaltet.

[DASI.blog]
Was haben Sie im Konzept verändert?

[V.D.]
Bisher hatten wir die Altersmischung in allen drei Gruppen. Wir haben das jetzt so verändert, dass unsere Jüngeren einfach einen geschützteren Raum bekommen. In der unteren Etage, im Knirpsenland, haben wir nur noch Kinder im Alter von eins bis maximal drei Jahren. Wir haben ein besonderes Augenmerk darauf, wann die Kinder in die Gruppen der größeren Kinder wandern können. Dazu müssen sie sich bekannt machen, sie müssen Vertrauen zu uns gewinnen, sich gegenseitig kennen lernen und viele Möglichkeiten viel Raum haben, sich zu bewegen und auszuprobieren. Mit den neu gestalteten Räumen haben sie jetzt beste Voraussetzungen dazu.

[DASI.blog]
Das neue Bewegungskonzept beinhaltet auch besondere Materialien und Geräte?

[V.D.]
Genau. Wir haben für unser neues Konzept Materialien nach Emmi Pikler, auch nach Maria Montessori angeschafft. Bestimmte Dinge, die man braucht, um den Kindern Bewegungsangebote zu machen, sie durch die Gestaltung von Räumen zu fördern.

[DASI.blog]
Was sind das für Geräte, die die Bewegungsentwicklung fördern sollen?

[V.D.]
Das sind genau die Pikler/Hengstenberg-Geräte, also eine „Bewegungsbaustelle“. Die umfasst einen stabilen Dreieckständer mit Sprossen, in die man ein Rutschbrett einhängen kann, verschiedene schiefe Ebenen, wo die Kinder ganz selbstbestimmt drüber krabbeln können. Die sind auch mit verschiedenen Materialien belegt, so dass ihr taktiles Empfinden, ihre Sinneswahrnehmung angeregt wird.

[DASI.blog]
Selbstbestimmte Bewegung spielt bei Pikler eine große Rolle. Aber auch Mitwirkung bei der Kinderpflege.

[V.D.]
Bei der Kinderpflege gehen die Erzieherinnen mit den Kindern in einen engen Kontakt. Alles was gemacht wird, wird mit dem Kind gemacht und was das Kind macht wird ausgesprochen. Stimme, Handlung, Kontakt – all das sorgt für eine Beziehungsqualität, die es dem Kind ermöglicht, sich frei in seinem Spielraum zu bewegen, ohne die Erzieherin ständig als Anleiterin seines Spiels zu benötigen.

[DASI.blog]
Wie läuft die Pflege, z.B. das Wickeln, in Anlehnung an Pikler ab?

[V.D.]
Mit der neuen Wickelbox, ein Aufsatz, der an drei Seiten ein Holzgitter hat und der nach vorne offen ist, haben die Kinder die Möglichkeit selbst aktiv bei der Pflege dabei zu sein. Das Kind muss nicht still liegen - was sie meist gar nicht mögen - sondern kann, geschützt durch die sichere Umrandung, mitmachen und die Welt erkunden. Das Kind kann sich hochziehen, mithelfen, selbst tätig werden. Pikler und Montessori unterstützen mit ihren Ansätzen die jüngeren und die älteren Kinder dabei, selbstständig aktiv zu werden. Von Anfang an.

[DASI.blog]
Was erhofft sich die DASI mit der Einführung der Pikler-Konzepte in die Kita-Arbeit?

[Marianne Bartzok]
Wir wollen damit erreichen, dass die Kinder eine gesunde und gute Begleitung ins Leben bekommen. Dass sie durch die Selbstständigkeit, die die Kinder durch diese Art der Bewegung erfahren und durch die Begleitung durch die Erzieherin in diesem Prozess, mit beiden Beinen fest im Leben stehen können.

[V.D.]
Ich denke, die Kita ist ein guter Ort dafür.

[M.B.]
Wahrscheinlich ist die Kita sogar der Ort dafür. Hier können wir die Umgebung entsprechend vorbereiten und eine Haltung dem Kind gegenüber einnehmen, wie es im privaten Rahmen durch die Eltern in diesem Maße kaum möglich ist. Dass sich Kinder auf diese Weise ausprobieren können ist daher eine Aufgabe von Kindertagesstätten, die dadurch einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit der Kinder leisten. Und Bewegung ist ein wesentlicher Teil von Gesundheit.

[DASI.blog]
Und darüber hinaus auch die Grundlage der geistigen Entwicklung?

[M.B.]
Das ist richtig. Bewegung und die Fähigkeit seinen Körper zu beherrschen bildet die Voraussetzung, sich geistig gut und kontinuierlich und selbstbewusst entwickeln zu können. Das halte ich für eine der wichtigsten Grundlagen der kindlichen Entwicklung. Daher bin ich sehr glücklich darüber, dass sich die Kita-Leiterin und ihre Kolleginnen dafür entschieden haben, diesen Weg zu gehen. Ich freue mich auch darüber, dass wir mit dem neuen Konzept auch in einen intensiveren Dialog mit den Eltern der Kinder eintreten werden. Alle die in der Kita arbeiten und sich hier begegnen, können sich – und darin liegt eine große Chance dieser Kita – gemeinsam mit den Kindern weiter entwickeln. Dadurch können wir aktiv dazu beitragen, dass die Kinder in einer sich verändernden Gesellschaft selbstbewusst bestehen können.

[DASI.blog]
Vielen Dank für dieses Gespräch.

zurück zur Übersicht

Gemeinsam ins neue Kita-Jahr: Kita-Leiterin Verena Dams mit den EinwohnerInnen des „Knirpsenlands“
Gemeinsam ins neue Kita-Jahr: Kita-Leiterin Verena Dams mit den EinwohnerInnen des „Knirpsenlands“

Die von den Pädagoginnen frisch renovierten Räume der Kita „Knirpsenland“ sind hell und freundlich
Die von den Pädagoginnen frisch renovierten Räume der Kita „Knirpsenland“ sind hell und freundlich

Anregung findet der Bewegungs- und Entdeckungsdrang der Kleinsten an den neuen Geräten nach Pikler / Hengstenberg
Anregung findet der Bewegungs- und Entdeckungsdrang der Kleinsten an den neuen Geräten nach Pikler / Hengstenberg

Die neuen Geräte laden ein zu neuen Erfahrungen
Die neuen Geräte laden ein zu neuen Erfahrungen